Die wichtigsten Fragen und Antworten
Nachfolgend finden Sie – thematisch gegliedert – die wichtigsten Fragen und Antworten zum HolzKraftWerk Kradolf-Schönenberg und Sulgen.
Trägerschaft und Rollen
Wer ist Träger des Projekts «HolzKraftWerk»?
Trägerin des Projekts ist die ThurHOLZ GmbH, ein seit Jahrzehnten in Buhwil verankertes Holzverarbeitungsunternehmen mit integrierter Wertschöpfungskette. ThurHOLZ verarbeitet regionales Holz und ist direkt mit dem Rohstoff, den Arbeitsplätzen und den Gemeinden vor Ort verbunden. Das Projekt ist damit kein externes Investorenprojekt, sondern entsteht aus der regionalen Wirtschaft heraus.
Wer trägt die Verantwortung für Planung und Umsetzung?
Die Verantwortung liegt bei Toni Horat, Inhaber und Geschäftsführer der ThurHOLZ GmbH sowie Eliane Horat, Wirtschaftsjuristin und Steuerexpertin. Zusammen vereinen sie technische Erfahrung, unternehmerische Verantwortung und finanzielle Kompetenz.
Nutzen und Mehrwert
Welchen konkreten Nutzen hat das HolzKraftWerk für die Bevölkerung?
Für die Bevölkerung entsteht vor allem Sicherheit und Planbarkeit. Das Projekt schafft eine lokal produzierte, erneuerbare Wärmeversorgung, die unabhängig von internationalen Energiepreisen und geopolitischen Unsicherheiten funktioniert. Gleichzeitig bleibt die Wertschöpfung in der Region, was langfristig Arbeitsplätze, Investitionen und stabile Rahmenbedingungen stärkt.
Welcher Nutzen entsteht für die Gemeinden Kradolf-Schönenberg und Sulgen?
In Kradolf‑Schönenberg besteht bereits eine Fernwärmeinfrastruktur auf Holzbasis. Das HolzKraftWerk ermöglicht, diese bestehenden Systeme zu sichern, weiterzuentwickeln und zu entlasten. Die Gemeinde profitiert davon, dass die Wärmeversorgung langfristig auf einem stabilen, regionalen Fundament steht und Investitionen gebündelt statt fragmentiert erfolgen.
In Sulgen besteht heute noch kein flächendeckendes Fernwärmenetz. Das Projekt eröffnet Sulgen erstmals die Möglichkeit, eine erneuerbare Wärmeinfrastruktur gezielt aufzubauen. Damit entsteht eine langfristige Alternative zu Öl und Gas, insbesondere für grössere Liegenschaften, Schulbauten und Wohnbauprojekte.
Rohstoff und Nachhaltigkeit
Wird für das HolzKraftWerk zusätzlich Wald gerodet oder Holz nur zum Verfeuern geschlagen?
Nein. Das HolzKraftWerk nutzt ausschliesslich Restholz, das bei der regionalen Holzverarbeitung ohnehin anfällt – beispielsweise Sägemehl, Hobelspäne, Schwarten oder minderwertige Holzsortimente. Dieses Holz entsteht als Nebenprodukt bei der Herstellung hochwertiger Holzprodukte und wird nicht extra für die Energieproduktion geschlagen. Damit nutzt das Projekt einen bestehenden Rohstoff konsequent weiter. Zum Vergleich: Heute muss dieses Material mit vielen Transportfahrten aufwändig abgeführt werden.
Woher stammt das eingesetzte Holz konkret?
Der Rohstoff stammt ausschliesslich aus:
- der regionalen Holzverarbeitung am Standort Buhwil
- regionalem Wald‑ und Landschaftsholz
- Holzsortimenten, die für Bau‑ oder Möbelzwecke ungeeignet sind
Es gibt kein speziell geerntetes «Brennholz». Ziel ist ein möglichst regionaler Kreislauf.
Technik‑Überblick
Wie funktioniert das HolzKraftWerk?
Das HolzKraftWerk produziert drei Energieprodukte gleichzeitig:
- Wärme als Hauptprodukt für den Betrieb und die Fernwärmenetze
- Strom als Nebenprodukt, hauptsächlich als Winter‑ und Nachtstrom (Bandenergie)
- Holzpellets aus überschüssiger Energie und Restholz
- Diese Kombination erlaubt eine besonders effiziente Nutzung des Rohstoffs Holz.
Weshalb ist Wärme das Hauptprodukt und nicht der Strom?
Bei der Energiegewinnung aus Holz fällt physikalisch immer Wärme an. Das HolzKraftWerk ist deshalb wärmegeführt konzipiert. Die Anlage läuft primär dann, wenn Wärme gebraucht wird, etwa im Winter oder für Fernwärme. Strom entsteht dabei als sinnvoll genutztes Nebenprodukt. So wird Energie nicht verschwendet, sondern vollständig genutzt.
Fernwärme
Was versteht man unter Fernwärme aus dem HolzKraftWerk?
Fernwärme bedeutet, dass Wärme zentral produziert und über ein Leitungsnetz zu angeschlossenen Gebäuden transportiert wird. Die Wärme aus dem HolzKraftWerk gelangt als heisses Wasser über unterirdische Leitungen direkt in die Liegenschaften. Vor Ort braucht es keine eigene Heizung mehr, lediglich eine kompakte Übergabestation.
Welche Gebiete sollen mit Fernwärme erschlossen werden?
Kradolf‑Schönenberg: In Schönenberg besteht bereits eine Fernwärmeinfrastruktur auf Holzbasis. Diese soll gesichert, ergänzt und weiterentwickelt werden. Sulgen: Hier gibt es noch kein flächendeckendes Fernwärmenetz. Das HolzKraftWerk schafft die Voraussetzungen, ein neues Netz gezielt aufzubauen, insbesondere für grössere Verbraucher, öffentliche Bauten und neu erschlossene Baugebiete südlich der Bahnlinie.
Sulgen: Hier gibt es noch kein flächendeckendes Fernwärmenetz. Das HolzKraftWerk schafft die Voraussetzungen, ein neues Netz gezielt aufzubauen, insbesondere für grössere Verbraucher, öffentliche Bauten und neu erschlossene Baugebiete südlich der Bahnlinie.
Wie kann ich mein Gebäude an das Fernwärmenetz anschliessen lassen?
Am besten nehmen Sie sogleich mit uns Kontakt auf, damit wir gemeinsam einen allfälligen Anschluss abklären können.
Wirtschaftlichkeit, Kosten und Finanzierung
Es sind Investitionen von rund 17 Mio. Franken geplant. Wieso kostet das Kraftwerk so viel?
Beim HolzKraftWerk handelt es sich nicht um eine einzelne Anlage, sondern um eine komplexe Energie‑Infrastruktur bestehend aus Kraftwerk, Fernwärmenetzen, Pelletproduktion sowie elektrischer und baulicher Erschliessung. Solche Infrastrukturen sind auf mehrere Jahrzehnte Nutzungsdauer ausgelegt. Die Kosten fallen deshalb gebündelt am Anfang an, während der Nutzen über eine lange Zeit wirkt.
Wer bezahlt das Projekt?
Die Finanzierung ist auf mehrere Schultern verteilt. Vorgesehen ist eine eigenständige Betreibergesellschaft, getragen von der Projektträgerschaft über Investitionen und Fremdkapital. Beteiligungen sind möglich durch öffentliche und/oder private Investoren.
Standort, Raumplanung und Bewilligungsverfahren
Wo genau soll das HolzKraftWerk realisiert werden?
Das HolzKraftWerk ist am bestehenden Werkstandort der ThurHOLZ GmbH in Buhwil vorgesehen. Der Standort liegt auf einer Parzelle im Eigentum der Bürgergemeinde Kradolf‑Schönenberg und befindet sich in unmittelbarer Nähe der bestehenden Holzverarbeitung. Damit wird ein bereits industriell geprägter Standort genutzt und kein neuer Ort «auf der grünen Wiese» erschlossen.
Weshalb braucht es eine Umzonung des Grundstücks?
Das vorgesehene Grundstück liegt heute nicht in einer Energie- oder Industriezone. Für die Realisierung des Projekts ist deshalb eine Umzonung erforderlich. Solche Verfahren sind bei langfristigen Infrastrukturen üblich und dienen dazu, die Nutzung rechtlich sauber, transparent und politisch legitimiert abzustützen.
Politische Einordnung
Wie ist das Projekt HolzKraftWerk politisch einzuordnen?
Das HolzKraftWerk ist ein regionales Infrastrukturprojekt, das weit über ein einzelnes Unternehmen hinauswirkt. Erfolg entsteht nur, wenn Wirtschaft, Gemeinden, Bevölkerung und Institutionen am gleichen Strick ziehen. Wärmeversorgung, Raumplanung, Finanzierung und Akzeptanz greifen ineinander – isolierte Entscheide würden das Projekt gefährden.
Welches Interesse haben die Gemeinden an einer lokalen, nachhaltigen Energie- und Wärmeversorgung?
Die Gemeinden bekommen eine Chance, sich an einer lokalen, nachhaltigen Energieversorgung zu beteiligen. Im Kanton Thurgau müssen Gemeinden im kompakten Siedlungsraum einen kommunalen Energierichtplan erarbeiten. Dieser zeigt auf, wie der künftige Energiebedarf – insbesondere im Wärmebereich – gedeckt und der Einsatz fossiler Energieträger schrittweise reduziert werden soll.
Prozess und Zeitplan
In welcher Phase befindet sich das Projekt aktuell?
Das HolzKraftWerk befindet sich in einer vertieften Planungs‑ und Abstimmungsphase. Die technische Machbarkeit ist geklärt, nun stehen rechtliche, politische und organisatorische Schritte im Vordergrund. Ziel dieser Phase ist es, klare Entscheide, verbindliche Grundlagen und eine breite Abstützung zu schaffen.
Welche Schritte stehen als Nächstes an?
Die nächsten Schritte umfassen insbesondere die weitere Abstimmung mit potenziellen Wärmeabnehmern, die Klärung raumplanerischer Voraussetzungen, die Finanzierung, die politische Behandlung zentraler Fragen in den Gemeinden sowie die schrittweise Information von Öffentlichkeit und Medien. Diese Schritte erfolgen nicht parallel, sondern logisch aufeinander abgestimmt.